Das Wichtigste in Kürze
- Open-Source-Firmen verdienen vor allem an Zusatzfunktionen (Open Core), Verlässlichkeit (Subscriptions), Betrieb (gehostete Angebote) oder kommerziellen Lizenzen (Dual Licensing).
- Stiftungen wie die Linux Foundation, die Apache Software Foundation und die Eclipse Foundation sowie öffentliche Programme wie die Sovereign Tech Agency finanzieren vor allem gemeinsame Infrastruktur.
- Wechsel von Open-Source- zu Source-Available-Lizenzen, etwa bei MongoDB, Elastic, HashiCorp und Redis, sind kaufmännische Entscheidungen, meist gegen konkurrierende Cloud-Angebote.
- Lizenzwechsel lösen häufig Forks aus, etwa Valkey nach dem Redis-Wechsel, OpenTofu nach dem HashiCorp-Wechsel und OpenSearch nach dem Elastic-Wechsel.
- Bei kritischen Open-Source-Komponenten sollten Entscheider prüfen, wer die Rechte hält, wie das Projekt organisiert ist und ob es einen Plan B gibt.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag beschreibt Geschäftsmodelle, er bewertet keine Unternehmen als Investition.
Open-Source-Software darf jeder kostenlos nutzen, verändern und weitergeben. Trotzdem stehen hinter vielen wichtigen Projekten Unternehmen mit Hunderten Beschäftigten. Sie finanzieren sich vor allem über kostenpflichtige Zusatzfunktionen (Open Core), Abonnements für Support und Updates, gehostete Angebote und kommerzielle Lizenzen; Stiftungen und öffentliche Förderung tragen vor allem gemeinsame Infrastruktur. Für Entscheider ist die Frage praktisch relevant: Wer weiß, wovon ein Hersteller lebt, kann besser einschätzen, wie stabil ein Projekt ist, wo Kosten entstehen können – und wie wahrscheinlich ein späterer Lizenzwechsel ist.
Open Core
Beim Open-Core-Modell ist der Kern einer Software Open Source, zusätzliche Funktionen gibt es nur in einer kostenpflichtigen, proprietären Edition. Typische Zusatzfunktionen sind solche, die vor allem größere Organisationen brauchen: zentrale Benutzerverwaltung, erweiterte Rechte, Compliance-Berichte, Hochverfügbarkeit.
Ein bekanntes Beispiel ist GitLab, das in seinem öffentlichen Handbuch beschreibt, nach welchen Grundsätzen es Funktionen der freien oder der bezahlten Edition zuordnet.
Für Sie relevant: Prüfen Sie, ob die Funktionen, die Sie brauchen, im offenen Kern enthalten sind. Die Grenze kann sich zwischen Versionen verschieben.
Support und Subscriptions
Hier ist die Software vollständig Open Source, verkauft wird ein Abonnement: getestete und zertifizierte Versionen, Sicherheitsupdates über lange Zeiträume, Support mit Reaktionszeiten, Zertifizierungen für bestimmte Hardware oder Anwendungen. Das bekannteste Beispiel ist Red Hat mit Red Hat Enterprise Linux.
Für Sie relevant: Sie bezahlen nicht für ein Nutzungsrecht, sondern für Verlässlichkeit. Das Modell ist für Kunden gut planbar – die Abhängigkeit liegt eher im Ökosystem (Zertifizierungen, Werkzeuge) als in der Lizenz.
Gehostete Angebote
Viele Hersteller betreiben ihre eigene Software als Cloud-Dienst und verdienen an Betrieb, Skalierung und Wartung. Beispiele sind MongoDB Atlas oder Elastic Cloud. Kunden sparen den Eigenbetrieb, die Software bleibt aber prinzipiell selbst betreibbar – ein Vorteil gegenüber rein proprietären Diensten, weil ein Ausstieg technisch möglich bleibt. Wie Sie solche Optionen kostenseitig vergleichen, beschreibt unser Leitfaden Gesamtkosten ehrlich rechnen.
Doppellizenzierung
Beim Dual Licensing bietet ein Hersteller dieselbe Software unter zwei Lizenzen an: einer Copyleft-Lizenz wie der GPL, die verlangt, dass abgeleitete Werke ebenfalls offengelegt werden, und einer kommerziellen Lizenz für Kunden, die das nicht möchten – etwa weil sie die Software in ein proprietäres Produkt einbauen. Qt ist ein bekanntes Beispiel: Das Framework ist unter Open-Source-Lizenzen (GPL/LGPL) und unter kommerziellen Lizenzen erhältlich.
Voraussetzung für dieses Modell ist, dass der Hersteller die Rechte an praktisch allen Beiträgen hält. Deshalb verlangen solche Projekte meist eine Beitragsvereinbarung (Contributor License Agreement, CLA). Die Grundlagen zu Copyleft und permissiven Lizenzen erklärt Open-Source-Lizenzen für Entscheider.
Stiftungen
Stiftungen wie die Linux Foundation, die Apache Software Foundation oder die Eclipse Foundation sind herstellerneutrale Träger. Sie halten Markenrechte, stellen Infrastruktur und Governance-Regeln bereit und finanzieren sich überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen von Unternehmen, Spenden und Veranstaltungen. Die Entwicklung selbst leisten meist Beschäftigte der Mitgliedsfirmen.
Für Sie relevant: Ein Projekt unter dem Dach einer Stiftung mit mehreren beitragenden Firmen ist weniger anfällig dafür, dass ein einzelnes Unternehmen die Lizenz ändert. Die Eclipse Foundation hat ihren Sitz in Brüssel und ist damit auch für europäische Souveränitätsüberlegungen interessant.
Öffentliche Förderung
Ein jüngerer Baustein ist die staatliche Finanzierung offener digitaler Infrastruktur – nicht als Wirtschaftsförderung für einzelne Firmen, sondern zur Pflege von Komponenten, auf die alle angewiesen sind.
Sovereign Tech Agency
In Deutschland ist das wichtigste Instrument die Sovereign Tech Agency, eine Tochtergesellschaft der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Sie ist aus dem 2022 gestarteten Sovereign Tech Fund hervorgegangen; der Fund besteht heute als eines von mehreren Programmen der Agentur weiter. Laut ihrer Website wird sie vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages unterstützt. Zu den Programmen zählen (Stand Ende Oktober 2026):
- Sovereign Tech Fund: beauftragt Arbeit an grundlegenden offenen Softwarekomponenten, etwa Wartung, Sicherheit und Dokumentation,
- Sovereign Tech Resilience (früher Bug Resilience Program): Vorbeugung und Behebung von Sicherheitslücken,
- Sovereign Tech Fellowship: finanziert Maintainer direkt; die Bewerbungsphase 2026 lief bis April,
- Sovereign Tech Standards und Sovereign Tech Challenge.
Weitere Förderprogramme
- NGI Zero / NLnet: Die niederländische Stiftung NLnet vergibt im Rahmen der EU-Initiative Next Generation Internet Fördermittel für offene Internettechnologien. Nach Angaben von NLnet war die 13. Ausschreibung des NGI Zero Commons Fund, die am 1. Juni 2026 endete, die letzte dieses Fonds; andere Programme laufen weiter.
- Prototype Fund: Das von der Open Knowledge Foundation Deutschland betriebene und vom Bundesforschungsministerium finanzierte Programm fördert Einzelpersonen und kleine Teams bei der Entwicklung von Open-Source-Prototypen.
Für Sie relevant: Öffentliche Förderung stabilisiert vor allem kritische Basiskomponenten. Sie ersetzt keinen kommerziellen Support für Anwendungen, die Sie produktiv einsetzen.
Lizenzwechsel zu „Source Available“
Seit einigen Jahren haben mehrere Unternehmen ihre Software von Open-Source-Lizenzen auf sogenannte Source-Available-Lizenzen umgestellt. Der Quellcode bleibt einsehbar, die Nutzung ist aber eingeschränkt – meist wird untersagt, die Software als konkurrierenden Dienst anzubieten. Solche Lizenzen sind nicht von der OSI anerkannt.
Die Begründung ist fast immer dieselbe: Große Cloud-Anbieter verdienen mit gehosteten Versionen der Software, ohne die Entwicklung angemessen mitzufinanzieren. Der Lizenzwechsel schützt das eigene Hosting- und Enterprise-Geschäft.
Beispiele
- MongoDB führte 2018 die Server Side Public License (SSPL) ein. Die OSI hat erklärt, dass die SSPL keine Open-Source-Lizenz ist.
- Elastic stellte Elasticsearch und Kibana 2021 auf SSPL und die eigene Elastic License um. Im August 2024 nahm das Unternehmen die AGPL als zusätzliche, OSI-anerkannte Option auf.
- HashiCorp wechselte am 10. August 2023 für künftige Versionen seiner Produkte – darunter Terraform – von der Mozilla Public License 2.0 zur Business Source License 1.1. Konkurrierende Angebote dürfen künftige Versionen danach nicht mehr einbauen.
- Redis wechselte im März 2024 zu einer Doppellizenz aus RSALv2 und SSPL. Mit Redis 8 kam im Mai 2025 die AGPLv3 als zusätzliche Open-Source-Option hinzu.
Die Reaktion der Community: Forks
Lizenzwechsel lösen häufig Abspaltungen aus. Nach dem Redis-Wechsel startete unter dem Dach der Linux Foundation das Projekt Valkey auf Basis der letzten offen lizenzierten Version. Nach dem HashiCorp-Wechsel entstand OpenTofu als offener Terraform-Fork, ebenfalls bei der Linux Foundation. Elastic war bereits 2021 von einem Fork betroffen: OpenSearch.
Die Beispiele Elastic und Redis zeigen auch: Lizenzentscheidungen sind nicht endgültig. Beide Unternehmen haben nach einigen Jahren wieder eine OSI-anerkannte Lizenz hinzugefügt.
Was Entscheider daraus ableiten können
- Geschäftsmodell verstehen. Fragen Sie bei jeder kritischen Komponente: Wovon lebt der Hersteller, und wo stehen seine Einnahmen im Konflikt mit Ihrer Nutzung?
- Rechteinhaber prüfen. Hält ein einzelnes Unternehmen alle Rechte (erkennbar etwa an einer CLA ohne Stiftung), ist ein Lizenzwechsel rechtlich leichter möglich als bei einem Projekt mit vielen Rechteinhabern.
- Governance bewerten. Projekte unter Stiftungsdach mit mehreren tragenden Firmen gelten als stabiler.
- Ausweichoptionen kennen. Gibt es einen Fork oder eine Alternative? Unser Beitrag zur Exit-Strategie gegen Lock-in zeigt, wie Sie das systematisch vorbereiten.
- Bezahlen, was Sie brauchen. Wer Open Source produktiv nutzt, sichert mit Support-Verträgen oder Mitgliedschaften auch die Zukunft der Projekte – das ist oft günstiger als ein erzwungener Wechsel.
Keine Anlageberatung.
Häufige Fragen
Wie verdienen Open-Source-Firmen Geld?
Vor allem über vier Modelle: kostenpflichtige Zusatzfunktionen zu einem offenen Kern (Open Core, etwa GitLab), Abonnements für getestete Versionen, Sicherheitsupdates und Support (etwa Red Hat), gehostete Cloud-Angebote der eigenen Software (etwa MongoDB Atlas oder Elastic Cloud) sowie Doppellizenzen, bei denen neben einer Copyleft-Lizenz eine kommerzielle Lizenz verkauft wird (etwa Qt).
Was ist der Unterschied zwischen Open Source und Source Available?
Bei Source-Available-Lizenzen bleibt der Quellcode einsehbar, die Nutzung ist aber eingeschränkt – meist ist es untersagt, die Software als konkurrierenden Dienst anzubieten. Solche Lizenzen sind nicht von der Open Source Initiative (OSI) anerkannt. So hat die OSI erklärt, dass die von MongoDB 2018 eingeführte Server Side Public License (SSPL) keine Open-Source-Lizenz ist.
Warum wechseln Open-Source-Firmen ihre Lizenz?
Meist, um ihr eigenes Hosting- und Enterprise-Geschäft zu schützen. Die Begründung lautet fast immer, dass große Cloud-Anbieter mit gehosteten Versionen der Software verdienen, ohne die Entwicklung angemessen mitzufinanzieren. Beispiele sind MongoDB (2018), Elastic (2021), HashiCorp (2023) und Redis (2024). Elastic und Redis haben später wieder eine OSI-anerkannte Lizenz als zusätzliche Option aufgenommen.
Was ist die Sovereign Tech Agency?
Die Sovereign Tech Agency ist eine Tochtergesellschaft der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), die offene digitale Basisinfrastruktur fördert. Sie ist aus dem 2022 gestarteten Sovereign Tech Fund hervorgegangen, der heute als eines ihrer Programme weiterbesteht. Weitere Programme sind unter anderem Sovereign Tech Resilience und die Sovereign Tech Fellowship, die Maintainer direkt finanziert.
Woran erkennt man das Risiko eines Lizenzwechsels bei Open-Source-Software?
Vor allem an Rechteverhältnissen und Governance. Hält ein einzelnes Unternehmen alle Rechte, erkennbar etwa an einer Beitragsvereinbarung (CLA) ohne Stiftung, ist ein Lizenzwechsel rechtlich leichter möglich als bei einem Projekt mit vielen Rechteinhabern. Projekte unter Stiftungsdach mit mehreren tragenden Firmen gelten als stabiler. Zusätzlich lohnt die Frage, ob es einen Fork oder eine Alternative gibt.
Quellen
- GitLab Handbook – Stewardship (Open-Core-Modell)
- Red Hat – Subscription
- Qt – Licensing
- HashiCorp – HashiCorp adopts Business Source License (10.08.2023)
- Elastic – Elasticsearch is Open Source. Again! (29.08.2024)
- Redis – Redis is now available under the AGPLv3 open source license (01.05.2025)
- MongoDB – Server Side Public License FAQ
- Open Source Initiative – The SSPL is Not an Open Source License
- Linux Foundation – Launch of the Valkey community
- Apache Software Foundation – About
- Eclipse Foundation – About
- Sovereign Tech Agency – Sovereign Tech Fund
- Sovereign Tech Agency – Sovereign Tech Fellowship
- NLnet – NGI Zero Commons Fund



